In seinem ersten Video machte Filmemacher Alexander Lehmann alle Deutschen zu Terroristen. Nun ist sein zweites Projekt online verfügbar – “RetteDeineFreiheit.de“. In seiner ganz speziellen Art nimmt sich Lehmann die Argumente der Befürworter der Internetsperren gegen Kinderpornografie vor.
Das Thema Internetzensur geht eigentlich alle an, immer nutzen zwei Drittel aller Deutschen das Internet. Darum find ich sehr beunruhigend, dass das Gesetz von der Politik scheinbar ohne grossen Widerstand durchgepeitscht werden konnte. Selbst die über 130’000 Unterschriften der Online-Petition haben es nicht geschafft, ausserhalb der „Netzgemeinde“ eine Diskussion in der breiten Öffentlichkeit loszutreten.
Als Ursula von der Leyen am 17. August um 20 Uhr im gemütlichen Salzbrunnenhaus der saarländischen Gemeinde Sulzbach die örtlichen CDU-Anhänger auf die bevorstehende Landtagswahl einstimmte, hatte die Bundesfamilienministerin wohl nicht damit gerechnet, dass ihre Rede gefilmt und noch Tage danach im Internet nachzuhören sein würde. Die konservativen CDU-Getreuen machten es sich an rustikalen Biertischen bequem, während “Zensursula” mit markigen Sprüchen auftrumpfte, die in der Netzgemeinde bitter aufstoßen: Die Gegner von Internetsperren bezeichnet von der Leyen pauschal als “die Linken” und poltert “Himmel noch mal! Macht dem ein Ende!” (Quelle spiegel.de)
Deutschland arbeitet intensiv daran, Internetinhalte zu zensieren und digitale Erwachsenenunterhaltung massiv einzuschränken – zum Wohle der ganzen Gesellschaft. Die Befürchtungen sind gross, dass die eingerichteten DNS-Sperren gegen Kinderpornografie auch für andere Inhalte angewendet werden – die Musikindustrie soll schon Interesse angemeldet haben.
Mit der Plattform „ZensiertDas!NET“ soll spielerisch auf die Zensur aufmerksam gemacht werden. Man kann Wetten abgeben, auf was als nächstes der Zensurschere zum Opfer fallen könnte. Top sind im Moment die Seite Wikileaks, Filesharing und Anonymisierungsdienste.
Vor rund zwei Wochen habe ich an dieser Stelle über den Angriff auf Schweizer Surfer berichtet. Von der breiten Öffentlichkeit wurde dies stillschweigend hingenommen. Auf Facebook sind bis jetzt mindestens zwei Gruppen entstanden, die sich gegen das Vorhaben der Behörden wehren wollen.
Beide Gruppen haben bis heute je ein paar hundert Mitglieder. Ich frage mich, ob es nicht besser wäre, die Aktivitäten zu diesem Thema zu konzentrieren und abzustimmen, als noch mehr Gruppen zum selben Thema zu eröffnen?
In Deutschland läuft die zweite erfolgreiche Online-Petition. Diesmal gegen ein Verbot der so genannten „Killerspiele“, wobei sich Initiator Peter Schleusser einen anderen Begriff wünscht, wie er im Interview mit golem.de sagt:
Erstmal wäre es schön, wenn auch die Presse diesen irreführenden Begriff nicht mehr verwenden würde. Nach dem Amoklauf von Winnenden mussten die Innenminister reagieren, und ich bin mit den meisten ihrer Entscheidungen auch sehr zufrieden, etwa “die Verfügbarkeit von Schusswaffen zu begrenzen und den Schutz vor einer missbräuchlichen Verwendung zu erhöhen” und “die Medienkompetenz bei erziehungsbeteiligten Personen sowie Kindern und Jugendlichen weiter zu stärken”. Aber ein Verbot von Action-Computerspielen geht entschieden zu weit. Mitschuld an der Situation muss man auch der Boulevardpresse geben, die mit Computerspielen gleich einen Schuldigen für den Amoklauf zur Hand hatte und damit eine Hexenjagd ausgelöst hat. (Quelle)
Ob nun Politiker, Medien oder besorgte Elternverbände die „Hexenjagd“ ausgelöst haben, spielt rückblickend keine Rolle mehr. Im Moment scheinen mir die Fronten in der Debatte sehr verhärtet.
Als wichtige Betroffene sind bis heute die Spielhersteller der Diskussion grösstenteils ferngeblieben. Angesichts von Attacken unter der Gürtellinie („Schweinefirma“) kann ich die Unternehmen zwar zum Teil verstehen, dass sie in einem so emotional aufgeheizten Umfeld nicht diskutieren wollen. Aber andererseits lassen sie zu, dass täglich viele ihrer Kunden öffentlich via Medien verunglimpft werden. Da Verbote eigentlich so gut wie vor der Tür stehen, wäre es höchste Zeit für Unternehmen wie EA, Blizzard und Co. sich endlich zu Wort zu melden. Oder soll man das Schweigen als Schuldeingeständnis interpretieren?