Es gibt keinen grösseren Sportanlass als die Olympischen Spiele. Via Medien können wir alle – wenn wir denn wollen – mehr oder weniger daran teil haben. Im Zeitalter von Web-TV lag es natürlich nahe, die Sportler nicht nur im Fernsehen, sondern auch Internet bestaunen zu dürfen. Die erste Adresse hierfür ist YouTube.
Doch zu früh gefreut. Der speziell eingerichtete Channel auf YouTube ist aus Europa nicht zugänglich. Denn der Youtube-Kanal bleibt Ländern vorbehalten, in denen das IOC keinen Käufer für die Onlinerechte finden konnte oder diese auf einer nicht-exklusiven Basis vergeben wurden.
Grade Events wie Olympia wären gut geeignet dazu, weltweitem Web-TV mehr Zuschauer zu verschaffen, aber wenn es um Gelder, Lizenzen und Vertriebskontrolle geht, sind die digitalen Schlagbäume zwischen den Ländern schnell wieder unten. Angeblich will das IOC so der Verbreitung von urheberrechtlich geschützten TV-Material vorbeugen. Mit dieser Politk erreichen Sie jedoch genau das Gegenteil.
Die Olympischen Spiele in Peking sind jetzt in Sichtweite… mal abgesehen davon, dass an gewissen Tagen das Vogelnest-Stadion vor lauter Smog nicht zu sehen ist.
Um die Luftverschmutzung für die olympische Zeit in zumutbaren Grenzen zu halten, werden Fahrverbote für PKW erlassen und zahlreiche Fabriken geschlossen. Ich frage mich, ob die vorübergehend arbeitslosen Angestellten trotzdem ihre Löhne weiter bezahlt bekommen oder ob sie ihrem Schicksal überlassen werden. Denn nur vom olympischen Geist wird niemand satt.
Der Leidensweg der olympischen Fackel hat vorerst ein Ende. Mit dem Eintreffen in Nordkorea, dem Land der Steinzeitkommunisten, hat sie sicheres Territorium erreicht.
Tausende Zuschauer schwenkten in der Hauptstadt Pjöngjang chinesische Flaggen und Papierblumen. Frauen in traditioneller Kleidung und Männern in westlichen Anzügen säumten mit roten Plastikblumen in den Händen die Straßen entlang der Strecke für den olympischen Fackellauf. Die Menschen hätten “Willkommen, Willkommen!” gerufen…
… schreibet Spiegel Online. So hätten es die chinesische Regierung und ihr Bettgenosse IOC gerne überall auf der Welt gehabt. Auf ihrem Weg rund um die Welt ist die Fackel von beiden Seiten des Konflikts instrumentalisiert worden, um Aufmerksamkeit zu erregen. Mit dem Fackellauf haben viele Menschen und Politiker den Tibetkonflikt neu entdeckt. Dabei ist Tibet seit 1950 von China besetzt und das hat in den letzten Jahren offiziell diplomatisch auch keinen interessiert.
Nachtrag:
Ganz spontan habe ich obenstehenden Banner von Frank „INJELEA“ Hamm übernommen. Er ruft zu einem Olympia-Boykott auf und erklärt, er werde sich jeder Medienberichterstattung entziehen.
Wie soll es nun weitergehen? Die Spiele werden sicher nicht abgesagt und auch nicht an einen anderen Ort verlegt. Klar ist man im Nachhinein immer schlauer, aber es war ein riesiger Fehler des IOC, die Spiele nach China zu vergeben, gekennzeichnet durch Naivität und/oder reines Geschäftsinteresse. Ich bewundere die Tibeter, die sich so offen gegen ein gewalttätiges Regime auflehnen. Die chinesischen Steinzeitkommunisten werden sich von den Protesten einiger Blogger kaum beeindrucken lassen – irgendwie bleibt ein ungutes Gefühl der Hilflosigkeit zurück.